Campen und Reisen während Corona – daran scheiden sich momentan die Geister. Die einen sehen darin kein Problem, andere wiederum verteufeln es. Wir gehören zur erstgenannten Gruppe und fahren ab und zu mit unserem Kasten in die weite Welt hinaus.

In diesem Beitrag möchte ich einfach meine Erfahrungen und meine Beobachtungen weitergeben, die ich während unserer Ausflüge gemacht habe. Außerdem gehe ich auch auf Facebook-Gruppen ein und erwähne die Do’s und Dont’s.

Hinweis: Ich möchte hier niemanden dazu animieren gegen geltende Gesetze und Verordnungen zu verstoßen. Jeder ist für sein Handeln und Tun selbst verantwortlich. Ich weise ausdrücklich nochmal darauf hin, dass die Verordnungen der einzelnen Bundesländer gelten. Auch wenn jetzt durch die Bundes-Notbremse alles vereinheitlicht werden soll, kochen dennoch die Bundesländer ihre eigenen Süppchen. Dieser Artikel ist hauptsächlich auf Bayern bezogen. Ein Anspruch auf Vollständigkeit besteht nicht.

Camping während Corona – ja oder nein?

Für uns stellt sich die Frage nicht wirklich, denn wir fahren, wie eingangs schon erwähnt, an Wochenenden oder auch mal eine ganze Woche mit unserem Wohnmobil durchs Land. Zwar nicht weit von daheim entfernt, aber Franken hat so viele schöne Ecken zu bieten, da muss man überhaupt nicht in die Ferne schweifen.

Andere wiederum zweifeln, ob sie denn jetzt fahren sollen oder nicht. Sie sind verunsichert und greifen dabei gerne auf Informationen aus dem Internet zurück. Das merke ich auch hier auf dem Blog. Normalerweise werden in dieser Jahreszeit vermehrt Reiseberichte gelesen oder es wird sich über Campingführer informiert. Der momentan meist gelesene Artikel hier im Blog ist allerdings nach den kostenlosen Wohnmobilstellplätzen der Artikel unseres Womo-Ausflugs trotz Corona im Februar diesen Jahres.

Das heißt für mich, die Leute wollen einfach nur mal wieder raus. Mal was anderes sehen außer Arbeit, Haushalt und Schlafen. Sie wollen sich vom stressigen Alltag erholen und suchen nach einer Möglichkeit es umzusetzen.

Hilfe, bei den vielen Verordnungen und Gesetzen blicke ich nicht mehr durch!

Das geht nicht nur dir so. Wahrscheinlich hat mittlerweile jeder Probleme, bei dem ganzen Durcheinander an Verordnungen und Gesetzen noch den Überblick zu behalten. Jedes Bundesland beschließt für sich eigene Regeln. Deshalb ist es wichtig zu wissen, was in deinem Bundesland gilt. Das möchte und kann ich hier aber nicht für alle Bundesländer aufführen, da es sich täglich ändern kann.

Wir sind meistens in Franken unterwegs, das gehört bekanntlich zu Bayern. Also gilt für uns die Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung. Je nach dem, wo ihr euch aufhaltet, müsst ihr euch an die Infektionsschutzmaßnahmenverordnung des jeweiligen Bundeslandes orientieren.

Für uns in Bayern und somit auch Franken heißt das konkret, dass ab einer Inzidenz von über 100 eine Ausgangssperre ab 22 Uhr bis 5 Uhr greift. Das beinhaltet auch, dass wir während dieser Zeit nicht im Wohnmobil übernachten dürfen. Darauf hat zumindest das bayerische Innenministerium hingewiesen. Die Nürnberger Zeitung hat im Artikel „Darf man während Corona im Wohnmobil übernachten?“ mehrfach im bayerischen Innenministerium nachgefragt.

Demnach bewegen wir uns als Freicamper in einer Grauzone. Wenn wir unterwegs sind, dann achten wir auf die Inzidenzwerte der Landkreise und sollten sie an drei Tagen in Folge über 100 liegen, dann sehen wir von einer Übernachtung in diesem Landkreis ab. Ansonsten machen wir uns §12 der Straßenverkehrsordnung zu eigen, der besagt, dass ein Parken und Übernachten im Wohnmobil dort erlaubt ist, wo es nicht ausdrücklich verboten ist.

Welche Möglichkeiten gibt es, legal während Corona zu Campen?

Kommen wir nun zu dem Punkt, wo man legal und ohne schlechtes Gewissen Campen kann.

Campen im Ausland

Im Ausland, allen voran Luxemburg. Dort haben die Campingplätze und Stellplätze regulär geöffnet. Die Einreise ist auch ohne Probleme möglich, man braucht keinen Test und es besteht keine Quarantänepflicht. Grenzkontrollen finden nicht statt.

Auch in der Schweiz haben Camping- und Stellplätze geöffnet. Für Deutsche besteht keine Test- und Quarantänepflicht. Ausgenommen hiervon sind Bürger von Thüringen und Sachsen, da diese Bundesländer von der Schweiz als Risikogebiet eingestuft sind.

Bei Rückreise ist allerdings einiges zu beachten, da die Länder von Deutschland als Risikogebiet eingestuft sind. Hierzu stellt das auswärtige Amt Informationen zu Einreisebeschränkungen und Quarantänebestimmungen in Deutschland bereit. Dort findet man auch Verweise zu den jeweiligen Quarantänevorschriften der Bundesländer.

Andere Länder führe ich hier jetzt mal nicht auf, obwohl ich natürlich weiß, dass es auch woanders möglich ist. Allerdings ist dann mindestens ein negativer Test für die Einreise ins Urlaubsland notwendig.

Campen in Deutschland

Ja, auch in Deutschland ist es mittlerweile möglich, regulär als Tourist auf einem Campingplatz einzuchecken. Allerdings nur in den vier Modellregionen Schleswig-Holsteins. Das ist der Kreis Nordfriesland, die Schleiregion, die innere Lübecker Bucht und Büsum.

Ein Urlaub auf dem Campingplatz in den genannten Regionen ist aber mit strengen Auflagen verbunden. So muss man die Luca-App installieren, bei Anreise muss ein negativer Test vorgelegt werden und während des Urlaubs sind weitere Tests nötig.

Für uns persönlich wäre das nichts, aber die Plätze sind trotz der Umstände ausgebucht.

Freicampen in Deutschland

Wie ich weiter oben schon erwähnt habe, ist das eine Grauzone. Wir parken das Fahrzeug dort, wo es nicht ausdrücklich verboten ist. Momentan dürfte Freicampen die einzige Form des Campens sein, die aktuell in Deutschland möglich ist, mal abgesehen von den Modellregionen in Schleswig-Holstein.

Freicampen oder Freistehen bedeutet aber auch, dass man sich an gewisse Regeln hält.

  • Keinen Müll hinterlassen
  • Kein campingähnliches Verhalten
  • Keine Übernachtung in Naturschutzgebieten
  • Kein Lärm
  • Sei immer freundlich zu anderen (Anwohnern, Polizei, Ordnungsamt, Wanderer usw.)
  • Dort, wo schon jemand steht, bleibe ich nicht.

Wenn man sich an das kleine Regelwerk hält, dann steht einem entspannten Urlaub absolut nichts im Wege.

Freicampen setzt aber auch voraus, dass ich 100 % autark bin. Das heißt, ich habe eine Toilette an Bord, die ich auch benutze und ich benötige keinen Landstrom.

Haben Wohnmobilstellplätze geöffnet?

Ein ganz klares nein! Auch wenn die Wohnmobilstellplätze nicht mit Flatterband abgesperrt sind, heißt das nicht, dass sie geöffnet sind.

Gewerbliche Übernachtungsangebote dürfen nur für geschäftliche Zwecke gemacht werden. Touristische Übernachtungen gehören hier nicht dazu. Private Gründe, z. B. Arzttermine oder die Teilnahme an einer Beerdigung zählen nicht zu touristischen Übernachtungen und sind somit erlaubt. Es empfiehlt sich aber, vorher bei der jeweiligen Gemeinde oder Stadt nachzufragen, ob der Stellplatz für diese Zwecke geöffnet ist.

Es stehen aber viele Wohnmobile auf offiziellen Stellplätzen

Ja, das ist uns auch aufgefallen, als wir vor Ostern eine Woche mit unserem Kasten unterwegs waren. Allerdings, und das ist meine persönliche Meinung, stehen die alle illegal dort. Zumindest 90%. Die Plätze dürfen keine gewerblichen Angebote machen. Sobald ein Entgelt dafür verlangt wird, ist es gewerblich. Dann dürfen, wie oben schon erwähnt, die Plätze nur zu beruflichen Zwecken genutzt werden.

Dann möchte ich eben meine Fahrtüchtigkeit wieder herstellen

Das ist eine Möglichkeit, die man in Betracht ziehen kann. Allerdings ist es wenig hilfreich, wenn du z. B. nur 30 km von zuhause entfernt bist. Da ist es wenig glaubhaft, dass du die Fahrtüchtigkeit wieder herstellen möchtest. Auch der Irrglaube, dann trink ich halt ein Bier, zieht nicht. Denn damit ist es Vorsatz und kann teuer werden.

Einen gut recherchierten Artikel zum Thema Fahrtüchtigkeit wiederherstellen findest du übrigens auf Isaswomo.

Ich möchte so gerne los, aber ich bin auf Landstrom angewiesen

Ich sage es mal so, dann hast du einfach Pech gehabt. Wenn du in der jetzigen Zeit unbedingt los möchtest, dann solltest du 100 % autark sein. Offizielle Stellplätze haben geschlossen, das heißt, du darfst sie nicht nutzen. Fährst du trotzdem einen Platz an, weil du auf Strom angewiesen bist, dann musst du mit den eventuellen Konsequenzen leben.

Campen während Corona und die sozialen Medien

Nachdem die Politik keine Perspektiven bietet, dass es bald wieder losgeht mit Urlaub und Camping werden eben Schlupflöcher gesucht. Fragt man allerdings in einer Campinggruppe, die schon Jahre existiert, nach einer Stellmöglichkeit, dann hagelt es Beschimpfungen und Beleidigungen, die teilweise schon unter die Gürtellinie gehen.

Deshalb haben sich in den letzten Wochen z. B. auf Facebook mehrere Gruppen gebildet, die auf das Campen während Corona abzielen. Wir sind auch in mehreren solcher Gruppen Mitglied. Neben vielen guten Beiträgen wie z. B. Erfahrungen in Luxemburg und der Schweiz gibt es allerdings auch Beiträge, bei denen ich nur mit dem Kopf schütteln kann.

Da schreibt z. B. ein Nutzer einer Gruppe, den Stellplatz XXX musst du von hinten anfahren, von vorne ist er abgesperrt.

Ein anderer schreibt, auf Parkplatz YYY stehen an Wochenenden immer bis zu 10 Wohnmobile und er findet das gut.

Das sind jetzt nur 2 Beispiele, bei denen mir die Haare zu Berge stehen. Es gibt noch viel mehr solcher Beiträge oder Kommentare in diesen Gruppen zu lesen. Wenn ein Platz abgesperrt ist, dann fahre ich da nicht drauf. Fertig. Dann muss ich mir einen anderen Platz suchen. Und wenn auf einem Wanderparkplatz bis zu 10 Mobile am Wochenende stehen, dann ist das eindeutig zu viel.

Traurig finde ich aber, wenn man darauf hinweist, dass man eher noch dumm angepampt wird. Es ist nun mal so, ein einzelnes Wohnmobil stört niemanden, treten sie in Rudeln auf, ändert sich das. Dann fühlen sich Anwohner schnell gestört. Wenn dann zusätzlich noch die Campingmöbel auf dem Parkplatz ausgebreitet werden und die Camper Party feiern, trägt das nicht gerade zur Akzeptanz von Wohnmobilen bei.

Meine Eindrücke und Gedanken, als wir unterwegs waren

In der Woche vor Ostern haben wir eine Wohnmobil-Tour durch den Steigerwald gemacht. An zwei aufeinanderfolgenden Tagen haben wir uns mit Freunden getroffen, die dort in der Nähe wohnen. Ansonsten hatten wir zu niemandem Kontakt. Wir waren also coronakonform unterwegs. Einkäufe und Tanken haben wir noch bei uns zuhause erledigt und da wir heimatnah unterwegs waren, brauchten wir noch nicht mal zwischendurch eine Tankstelle.

Übernachtungsplätze

Im Vorfeld haben wir uns mehrere Übernachtungsplätze ausgesucht, darunter aber keinen einzigen offiziellen Stellplatz. Alle ausgesuchten Plätze waren super für eine Übernachtung geeignet. Die schönsten waren allerdings die, welche nicht in diversen Apps veröffentlicht waren.

Offizielle Stellplätze haben wir nur zur Ver- und Entsorgung angefahren. Entsorgen war auch immer problemlos möglich. Frischwasser gab es allerdings nicht überall. Danach haben wir die Stellplätze umgehend wieder verlassen.

Dabei ist mir allerdings aufgefallen, dass sich viele einfach auf geschlossene Plätze stellen. Warum? Ich verstehe das nicht. Geschlossen heißt zu. Aber logisch, das sind die Mobile, die unbedingt Strom benötigen, weil man auf gewisse Sachen einfach nicht verzichten möchte, oder aber einfach Ignoranten.

Im Nachhinein habe ich erfahren, dass wohl auf einem Platz die Polizei vorbeigeschaut hat und die Leute vom Stellplatz vertrieben hat. Sie wurden durch Anwohner auf die Situation aufmerksam gemacht. Das bestätigt mich in meinem Denken, momentan einfach keine offiziellen Stellplätze anzufahren.

Posten in Facebookgruppen

Vereinzelt haben wir auch unsere Plätze in oben genannten Facebook-Gruppen zum Thema Campen während Corona geposted. Die genauen Koordinaten haben wir nicht genannt, sondern einfach nur, wie schön es ist unterwegs zu sein.

Bei einem Platz haben wir gesagt, dass es die Koordinaten per PN gibt. Daraufhin kamen auch einige Zuschriften, die mich teilweise wieder nur den Kopf schütteln ließen. Der Abschuss war allerdings, dass gefragt wurde, ob es denn dort auch Duschen und WC gibt. Nein, auf einem Wanderparkplatz gibt es weder Dusche noch Klo.

Das war dann auch der Zeitpunkt, wo ich für mich beschlossen habe, ich poste in solchen Gruppen nichts mehr.

Wenn ich nicht alles an Bord habe, was ich brauche, dann kann ich nun mal nicht fahren in diesen Zeiten. Es ist einfach so. Oder ich muss dorthin fahren, wo es die Infrastruktur gibt, das ist momentan eben Luxemburg oder die Schweiz. Wenn das für ein Wochenende nicht lohnt, dann muss ich eben daheim bleiben oder einen Tagesausflug machen.

Fazit zum Campen während Corona

Ja, man kann fahren. Wir hatten eine super Woche und haben mit unseren Hunden schöne Wanderungen in der Natur gemacht. Allerdings sollte man autark sein und keine Infrastruktur benötigen. Wir haben z. B. noch eine zweite Kassettentoilette an Bord, falls es mal keine Möglichkeit gibt zu entleeren. Unsere elektrischen Geräte laden wir alle über USB oder 12Volt-Anschluss. Eine elektrische Kaffeemaschine haben wir nicht an Bord, wir nutzen einen Bialetti Espressokocher. Unsere Lithium-Bordbatterie hat eine Kapazität von 220 Ah, zusätzlich haben wir noch Solar auf dem Dach. Wir kamen über eine Woche ohne Landstrom aus.

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